Landgemeinde Wacholderau (Kiparren)   [Kipary]

Aus Geschichte, Wirtschaft und Kultur

Die älteste Nachricht über Kiparren findet sich in der Schatullrechnung 17l9/20, S. 44 des Rechnungsamtes Neidenburg. Hier heißt es: "Die chatullköllmische Qualität des 1701 gegründeten Kyparren steht fest." Im ostpr. Fol. 380/17 werden 15 Schatultkölmer auf 15 kulmischen H erwähnt. Im gleichen Jahre erhielt Christoph Ezioch ein Schankprivileg. 1724 wurde dem Amtmann Friedrich Daniel Krüger aus Wilrenberg eine Erbpachtverschreibung für eine Ziegelei "unweit vom Dorfe" nebst zehn H 12 M 148 R magdeb. erteilt. In einem Bereisungsprotokoll (Willenberger Prästationstabelle 1781) findet sich folgende Notiz: "In den Hubenschlagen des erbfreien Bauernhofes ist ein Stück Wald, nicht ausreichend, um den Bau- und Brennholzbedarf zu decken. Heu muß in Polen gekauft werden. Die 21 Wirte sind sehr fleißig. Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind in ordentlichem baulichen Zustande. Vermögensumstände mittelmäßig." In einem an die Kriegs- und Domänenkammer gerichteten Schreiben vom 22. Juni 1782 führen die Kiparrer Bauern Beschwerde: "Sie hätten bisher ihr Vieh in die königliche Forst getrieben, wofür sie pro Stück 5 Groschen Weidegeld gezahlt. Seit einigen Jahren hätte der Forsthüter nahe der Grenze eine Aschbude, "Gorowibowka" genannt, angelegt. Die Weide sei dadurch unmöglich. Sie bäten, ihnen die angrenzenden Scheffelplätze als Übermaßland zu überlassen." Die Domänenkammer antwortete, daß eine Auseinandersetzung zwischen Forst- und Domänenamt bevorstände. 1785 wurde von Kondukteur Tite eine eingehende Vermessung der in Frage kommenden Ländereien durchgeführt. 1788 (12. März) wurden der Gemeinde bei der Separation der Korpeller Forst 97 H 26 M 48 R magdeb. zugewiesen. Unter den 13 Wirten werden Michael Kositzki (Dorfschulze), Martin und Paul Hartwig genannt (Willenberger Prästationstabelle 1841, Nr. 14). Die Gemeindeauseinandersetzung kam 1848 zum Abschluß. Sie führte wie in anderen Dörfern zu einer Vermehrung der Wirte und zu einer Erschließung der Außenschläge durch Ausbauhöfe. Es gab in Kiparren 19 Ausbauhöfe. Unter den "Abgebauten" seien folgende genannt: Kempka, Emil Galonska, Philipp Broszka, Markwart, Woyda, Dorin, Nowodworski, Schwittay, Schubert, Bettsteller, Kowalzik, Kutrieb.

Ein für den wirtschaftlichen Aufstieg der Dorfeinwohner entscheidendes Ereignis war die Regulierung des Omulef, der in fast jedem Jahre große Teile der Dorfgemarkung unter Wasser setzte. Der Erfolg der 1935 zum Abschluß gebrachten Regulierung zeigte sich darin, daß 1938 gegenüber 1932 33 Prozent mehr Flächen landwirtschaftlich genutzt wurden und nach der Melioration die 13fachen Futtererträge festzustellen waren. 1939 waren im Dorf 38 landwirtschaftliche Betriebe: 4: 0,5-5 ha, 5: 5-10 ha, 7: 10- 20 ha, 21: 20-100 ha, 1: über 100 ha.

Es gab in Kiparren eine Zollstation und einen Gendarmerieposten. Die Dorfschule war während der Regierung Friedrich Wilhelms III. gegründet. Eine besondere Erwähnung verdient die in der Dorfgemarkung stehende fünfeinhalb Meter hohe Wacholderstrauchgruppe, die dem Ort den Namen gegeben hat. Auf dem Grundstück von Friedrich Galonska stand ein sieben Meter hoher Wacholderbaum.

Über das Schicksal der Landgemeinde am Ende des Zweiten Weltkrieges berichtet Friedrich Galonska: "Am 24. Januar 1945 räumten die deutschen Truppen nach kurzem Feuergefecht das Dorf. Von den sofort nachrückenden Russen wurden folgende Einwohner erschossen: Jakob Woyda, Gottlieb Schubert, Friedrich Kowalzik, Jakob Bettsteller, Marie Bettsteller, der Schwiegersohn der Familie Bettsteller, sechs Kinder im Alter unter neun Jahren, Marie Rims, Friedrich Sgaga, Michael Philipp. Auf der Flucht kamen fünf Personen ums Leben. Neun Einwohner sind als Wehrmachtangehörige gefallen, fünf Soldaten werden vermißt."

Max Meyhöfer in "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1984 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg



Ausbauhöfe:   1. Emil Galonska   2. August Kempka   3. Michael Philipp   4. Karl Brzoska   5. Jakob Woyda   6. Wilhelm Kutrieb   7. Julius Schützek   8. Ida Mucha   9. Gustav Schwittay   10. Wilhelm Bettsteller I   11. Wilhelm Dorin   12. Auguste Richter, Witwe   13. Johann Nowodworski   14. Wilhelm Schwittay   15. Gottlieb Schubert   16. Friedrich Galonska   17. Wilhelm Marquardt II   18. Friedrich Kowalzik   19. Friedrich Nowodworski   20. Wilhelm Bettsteller II   21. Zöllner-Haus   22. Zöllner-Haus   23. Gendarmerie-Haus   24. Karl Haus

Ergänzungsband "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1971 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg