Landgemeinde Grammen (Grammeswalde)   [Grom]

Aus Geschichte, Wirtschaft und Kultur

Vorgeschichtliche Funde: Hügelgräber der frühen Eisenzeit angehörend.

Das Gründungsprivileg für den Ort Grammeswalde (1381, 2. Februar) ist in Abschrift im Ordens-Fol. 262, S. 105 erhalten. Der Komtur von Osterode, Kuno von Liebenstein, übergab "dem ehrlichen Heinrich von Güldenhorn 60 Huben zur Lokation eines Zinsdorfes mit dem Privileg der kleinen Gerichtsbarkeit und der freien Fischerei im Grammer See mit kleinem Gezeuge. Die Bauern sollten nach sechs Freijahren von jeder Hufe einen halben Scheffel Roggen und einen halben Scheffel Weizen zinsen. Die Inwohnlinge des Dorfes sollen freie Fischerei haben in allen Seen, die binnen ihrer Grenzen liegen". 1425 werden in einer Bestätigungsurkunde der Gründungshandfeste 25 Bauern genannt. Zahl der Eigentümer und Größe der Dorfgemarkung haben sich bis 1653 nicht geändert. Die Ortelsburger Amtsrechnung dieses Jahres weist eine Vergrößerung der Gemarkung um 15 H auf. Unter den Eigentümern werden drei Kölmer (ein Schulze, ein Krüger, ein Hasenheger) und 26 Bauern genannt. Die wirtschaftliche Entwicklung der Dorfgemeinschaft scheint in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts keinen günstigen Verlauf genommen zu haben. In der Ortelsburger Amtsrechnung 1723 werden von 50 Bauernhufen nur 12 als "besetzt", 38 H als "wüst" bezeichnet. "Der Nahrungszustand", so heißt es in dieser Urkunde, "ist sehr schlecht. Der Ernteertrag bringt nur das eineinhalbte Korn. Die Besitzer, unter ihnen Jakob Loyeck, Kaspar Radke und Michael Retsch, haben oft unter Mißwachs zu leiden." Eine wirtschaftliche Besserung trat erst im friderizianischen Zeitalter ein. In der Zeit von 1751-1754 wurden alle wüsten Huben in Kultur genommen. Es entstanden 20 lebensfähige Bauernhöfe, die von folgenden Erbfreien bewirtschaftet wurden: Christoph Brosch, Christoph Chudy, Bartel Dominik, Michael Goronzy, Christoph Huncha, Friedrich Rast, Karl Rast, Johann Kalina, Christoph Kalina, Adam Mendritzky, Johann Murach, Martin Hoffmann, Christian Rast, Johann Sobotka, Adam Sannaga, Siegmund Wittkowski, Fritz Fomferra. Nachkommen dieser Besitzer haben noch 1945 auf ihren Höfen gewirtschaftet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden einige Bauernhöfe, deren Besitzer auf Vorwerk Davidshof scharwerken mußten, in Hochzinshöfe umgewandelt. Die Ortelsburger Prästationstabelle 1786 verzeichnet elf Hochzinser. Im gleichen Jahre wird den Dorfeinwohnern die Fischereiberechtigung im Machinatz-See, im Großen und Kleinen Kelbrach-See, Kryweksee und Biallysee zuerkannt. Wie in anderen Dörfern des Kreises Ortelsburg nahm die Zahl der Wirte im Zeitalter der Reformen auch in Grammen zu. Die Ortelsburger Prästationstabelle 1840 verzeichnet auf 4734 M 33 R drei Kölmer, 29 Assekuranten, 13 Hochzinser, fünf Eigenkätner und einen Erbpächter, Baron von Rechenberg auf Davidshof, das damals "innerhalb der Dorfhubengrenze von Grammen lag". Im Zuge der separation verlegten verschiedene Besitzer ihre Höfe in die Außenschläge der Gemarkung, so östlich der nach Gilgenau führenden Straße die Bauern Koschorrek und Koppel, westlich dieser Straße die Bauern Zekorn, Monika Ribitzki, Linka, westlich der Straße Grammen nach Georgensguth die Bauern Michallik und Dominik. Bereits 1857 (31. Oktober) war "das Etablissement "Friderikenhain" entstanden. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Dorfbewohner wurde die Gründung der "Entwässerungsgenossenschaft Grammen" 1910 und der Entwässerungsgenossenschaft "Grammen West" von wesentlicher Bedeutung. Große Teile der Dorfgemarkung wurden durch planmäßige Entwässerung in ertragreiches Acker- und Wiesengelände verwandelt. Die Vieh- und Pferdezucht erfreute sich eines guten Rufes. Seit etwa 1925 erfuhr die Bodenbearbeitung durch Einführung neuzeitlicher Maschinen eine bemerkenswerte Vervollkommnung. Die Anwendung von Kunstdünger machte Fortschritte. Der wirtschaftliche Aufstieg in den 70 landwirtschaftlichen Betrieben (31: 0,5-5 ha, 8: 5-10 ha, 15: 10-20 ha, 15: 20-100 ha, 1: über 100 ha) war von einer lebhaften Bautätigkeit begleitet. Die Aufwärtsentwicklung wurde durch die gute Verkehrslage des Ortes sehr begünstigt. Grammen lag seit 1883 an der Bahnstrecke Allenstein-Ortelsburg und an der gut ausgebauten Chaussee Allenstein-Ortelsburg. Im Dorfe gab es zwei Gasthäuser und zwei Lebensmittelgeschäfte. Das Handwerk war durch eine Fleischerei, eine Bäckerei, eine Schmiede, eine Sattlerwerkstatt und einen Fischereibetrieb vertreten.

Die Dorfschule, eine Gründung des Königs Friedrich Wilhelms I., besaß 1939 drei Klassen, in der etwa 150 Schüler unterrichtet wurden. 1932 wurde ein moderner Neubau errichtet. Im Keller befand sich eine Lehrküche.

In Grammen war eine Poststelle zweiter Ordnung, die dem Postamt Allenstein unterstellt war.

Über das Schicksal der Landgemeinde am Ende des Zweiten Weltkrieges entnehmen wir der Chronik der Gemeinde Grammen (bearbeitet von Gertrud Kerschling, geb. Romotzki, Gustav Romotzki, Fritz Romotzki, Dietrich Fomferra) und einem Bericht von Emil Poploch folgende Angaben: Beim Einmarsch der Russen im Januar 1945 wurden ermordet: Michael Olk, Frau Wilhelmine Weiß, Samuel Burdinna, Pia Liedmann, Hermann Springer, Karl Lipka, Gustav Poloschek. Verschleppt wurden neun Personen. Drei kamen auf der Flucht ums Leben. 23 Einwohner sind als Angehörige der Wehrmacht gefallen. Fünf Soldaten werden vermißt.

Max Meyhöfer in "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1984 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg



Ausbauhöfe:   1. Josef Krämer   2. Eugen Gems   3. Andreas Zekorn   4. Eduard Koppel   5. Jakob Ulonska   6. Hugo Przewersinski   7. Gustav Gorontzi   8. Alfred Michallik   9. Ambrosius Liedemann   10. Hermann Krüger   11. Eduand Tantius   12. Rudolf Domnik   13. Karl Lipka   14. Wilhelm Krzykowski   15. Paul Thiel

Ergänzungsband "Die Landgemeinden des Kreises Ortelsburg" © 1971 by Kreisgemeinschaft Ortelsburg